Zwinger?

Im deutschen Sprachraum wird der Begriff „Zuchtstätte“ mit dem Begriff „Zwinger“ gleichgesetzt. Gleichzeitig findet man auf den Homepages einiger Züchter den direkten Hinweis, dass ihre Zuchthunde nicht hinter Gittern gehalten werden.

Eigentlich sollte man wissen, woher der Begriff „Zwinger“ stammt.

Der Begriff kommt aus dem Mittelhochdeutschen und bezeichnet im ursprünglichen Sinn den freien Raum zwischen zwei Wehrmauern einer Burg oder einer Stadt. Der mittelalterlichen Burg- oder Stadtmauer war hier zur Verstärkung und Verteidigung eine zweite, etwas niedrigere Mauer vorgelagert.

Im Mittelalter und in der Neuzeit bot dieser umfriedete Bereich in Friedenszeiten genügend Platz, um dort Scheunen und Ställe zu bauen, Nutzgärten anzulegen und Tiere, wie z.B. Feder- und Borstenvieh oder die zur Burg gehörenden Hunde, zu halten.

So hat sich der Zwinger im Laufe der Zeit von der Wehranlage zur Zuchtanlage gewandelt, wobei diesem Begriff also durchaus nichts Negatives anhaftet.

Erst im Zuge der kommerziellen Hundezucht, und hier insbesondere der ausbeuterischen und wenig tierschutzorientierten Vermehrung, wurde der Begriff „Zwinger“ zum Synonym für die nicht artgerechte Haltung in kleinen, vergitterten Arealen oder gar Käfigen. Dies hat mit einer verantwortungsvollen Zucht und mit einer anerkannten Zuchtstätte nichts gemeinsam.

Im Wissen um die Entstehung und die wahre Bedeutung des Begriffes "Zwinger" kann und darf der seriöse Züchter seine Zuchtstätte auch weiterhin so nennen, ohne sich rechtfertigen zu müssen.

 

In anderen Sprachen ist die Unterscheidung übrigens wesentlich deutlicher.

Im Französischen bezeichet „le donjon“ die Wehranlage, und „le chenil“ ist der Tierkäfig. Der französischsprachige Züchter bezeichnet seine Zuchtstätte jedoch viel eleganter als „élévage“ = Aufzucht.

Im englischen Sprachgebrauch unterscheidet man zwischen „dungeon“ (Wehranlage) und „kennel“ (Zuchtstätte), wobei „kennel“ wörtlich übersetzt einfach Hundehütte bedeutet.

Der Niederländer hat sich den Begriff „kennel“ für seine Zuchtstätte angeeignet. Einen engen Käfig bezeichnet er als „kooi“, während die Wehranlage bei ihm die Bezeichnung „dwingel“ trägt.